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Der Auslandseinsatz der NÖ und steirischen Feuerwehren war in den letzten Wochen in allen Medien. Auch 24 Männer aus dem Gmünder Bezirk waren an diesem Einsatz beteiligt.

In den Nachtstunden von 4. auf 5. August liefen die Handys einiger Kameraden im Bezirk heiß. Für den kommenden Tag wurde ein KHD-Auslandseinsatz in Nordmazedonien alarmiert. Innerhalb weniger Stunden wurde eine Mannschaft der NÖ Waldbrand-Spezialisten sowie weitere Kameraden einiger Feuerwehren zu zwei KHD-Zügen zusammengestellt. Der erste Zug setzte sich am 5. August um 08:00 Uhr von Tulln aus Richtung Pehcevo, eine rund 7.000 Einwohner Stadt im Osten von Nordmazedonien in Marsch. 1.200km durch Österreich, Ungarn, Serbien und Nordmazedonien stand den Männern und Frauen, teilweise unter Polizeieskorte bevor. Dieser Zug setzte sich aus Tanklöschfahrzeugen und Spezialfahrzeugen wie Quads (auf Anhängern) und Pickups zusammen. Dabei vertreten auch KDO Karlstift mit je einem Mitglied aus Karlstift und Bad Großpertholz. Der zweite Zug folgte gegen 13:00 Uhr. Dieser beinhaltete Logistikeinheiten für das Camp wie Dusch- und WC Container, eine mobile Einsatzleitung, Strom- und Kühlaggregate sowie eine Warmwasserbereitung, eine mobile Tankstelle und eine Feldküche. Als Brandschutzelement war das TLFA2000 der FF Brand mit einem Mitglied aus Brand, einem aus Kleedorf, zwei aus Hoheneich und zwei aus Albrechts vertreten.
Nach einer Gesamtreisezeit von rund 30 Stunden kamen die Einsatzkräfte im betroffenen Gebiet an. Eine Fläche von knapp 3.000ha Wald und Wiesen stand in Flammen oder war bereits abgebrannt. Dörfer und Menschen waren von den Flammen bedroht. Aufgrund einer langanhaltenden Trockenperiode mit, für diese Region untypischen Temperaturen von bis zu 40°C, waren diese Brände außer Kontrolle geraten. Erschwerend kam dazu, dass die Infrastruktur und das Feuerwehrwesen sehr schlecht ausgebaut und mit österreichischen Verhältnissen nicht vergleichbar sind. Aus diesem Grund stellte die nordmazedonische Regierung ein Hilfegesuch. Über den EUCP (European Civil Protection Mechanism) der EU Civil Protection & Humanitarian Aid - ECHO wurde ein GFFF-V (Ground Forrest Fire Fighting using Vehicles) Modul angefordert. Durch das österreichische Innenministerium wurde diese Anfrage an Niederösterreich und die Steiermark weitergeleitet.
In den 10 Einsatztagen mussten die Gmünder Feuerwehrmänner verschiedenste Einsatzszenarien abarbeiten. An mehreren Örtlichkeiten wurden kleinere und größere Riegelstellungen aufgebaut, um die Brandausbreitung zu verhindern. Als sogenannte „Handcrews“ löschten die Einsatzkräfte mit Löschrucksäcken, Bodenbearbeitungswerkzeugen wie dem „Gorgui“ oder dem „Pulaski“ und Feuerpatschen Glutnester in bereits abgebranntem Gebiet, um ein Wiederentfachen des Brandes zu verhindern. Teilweise wurden sie sogar mit einem Hubschrauber in abgelegene Bereiche geflogen, um dort diese schweißtreibende Arbeit zu verrichten. Eine der größten Herausforderungen war das Aufbauen und Betreiben einer ca. 1 km langen Riegelstellung in unwegsamen Gelände. Mit mehreren Faltbehältern wurde auf einem Hochplateau eine 30.000l fassende Wasserreserve geschaffen, die über eine Relaisleitung und im Pendelverkehr fahrende Tanklöschfahrzeuge versorgt wurde. Aufgrund ständig wechselnden Wind- und Wetterverhältnissen musste diese Riegelstellung mehrere Tage lang bestehen bleiben, bis die Feuerfront wie geplant daran gestoppt werden konnte. Durch diese taktische Vorgehensweise konnte ein Dorf mit mehreren hundert Einwohnern vor dem Flammeninferno geschützt werden.
Während der gesamten Einsatzzeit wurde das Personal dreimal gewechselt. Insgesamt vier Charterflüge der Austrian Airlines brachten die Einsatzkräfte vom Flughafen Wien-Schwechat nach Skopje und wieder zurück. Von dort aus fuhren sie Reisebussen ins „Camp Austria“ in Pehcevo. In Schnelleinsatzzelten und auf Feldbetten des NÖLFV lebten dort gesamt rund 500 Männer und Frauen aus Niederösterreich und der Steiermark.
Was den Einsatzkräften sicher in Erinnerung bleiben wird, sind die Eindrücke die sie in diesen Tagen sammeln konnten. Von kilometerlangen und über 30 Meter hohen Feuerwalzen, von einheimischen die mit den geringsten Mitteln versuchten zu helfen, von Kindern die aus Dankbarkeit ihre Spielzeuge an die Feuerwehrfrauen und -männer verschenkten und von der Zusammenarbeit auf Landes-, Bundes- und internationaler Ebene. Neben den Kräften aus Österreich waren auch Feuerwehren aus Slowenien und Bulgarien vor Ort.
Nach Ende des Einsatzes am Freitagabend wurde das Camp abgebaut und die Fahrzeuge für die lange Heimreise vorbereitet. Auf der serbischen Autobahn sperrte die örtliche Polizei kurzerhand eine komplette Richtungsfahrbahn um die Österreicher auf der Gegenfahrspur an einem mehrere Kilometer langen Stau vorbeizulotsen. An der Grenze in Nickelsdorf wurde der Convoy mit Fahnen und Wasserspalieren empfangen. Der Radiosender Ö3 begrüßte die Feuerwehrleute und spielte zu ihren Ehren den Austropop Hit „I am from austria“ von Rainhard Fendrich.
Alle eingesetzten Gmünder Kräfte kamen müde aber gesund zu ihren Familien zurück.

Die 24 eingesetzten Mitglieder waren:
FF Karlstift:
BI Bernhard Bodenstorfer und BM Manfred Grill
FF Bad Großpertholz:
OBI René Steininger und BI Thomas Back
FF Brand:
HFM Christoph Adamec und HFM Thomas Zorn
FF Hoheneich:
ABI Dominik Krenn und VR Friedrich Bauer
FF Albrechts:
BM Benjamin Thor und LM Wolfgang Fuchs
FF Kleedorf:
BR Jochen Miniböck
FF Niederschrems:
OBI Robert Mayer, FT Georg Zimmel und BI Andreas Beer
FF Langegg:
HFM Andreas Wopelka
FF Gemeinde Reingers:
LM Michael Habison
FF Schandachen:
BM Christian Stark, LM Georg Hauer und FM Alexander Katzenbeißer
FF Gmünd-Breitensee:
OBI Michael Sohr
BFKDO Gmünd:
LFR Erich Dangl

Im NÖ Landesführungsstab:
VI Michael Preissl (FF Kottinghörmanns), EHBI Manfred Staud (FF Groß Höbarten) und EBI Johann Preissl (FF Süßenbach)


FOTOS: LFKDO NÖ, ABI KRENN, OBI MAYER, FT ZIMMEL